Harvard-Zitierstil
Der Harvard-Zitierstil ist ein Autor-Jahr-System: im Text steht ein Kurzbeleg in Klammern (z. B. „Bourdieu 1983, S. 183"), im Literaturverzeichnis am Ende der Arbeit folgt der vollständige Eintrag. Harvard ist Standard in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften sowie in weiten Teilen der Naturwissenschaften. Anders als APA gibt es keine offizielle, einheitliche Norm — die Detailregeln variieren je nach Lehrstuhl. Im Zweifel hilft ein Blick ins Modulhandbuch.
Wann gilt Harvard?
In der Praxis findest du Harvard am häufigsten in Soziologie, Politikwissenschaft, BWL, VWL, Geographie und Erziehungswissenschaft. Nicht typisch ist Harvard in Jura (dort gelten Fußnoten), Germanistik und Geschichte (auch dort meist Fußnoten) sowie in Medizin und Naturwissenschaften (dort eher APA oder Numerierungsstile wie Vancouver). Welche Harvard-Variante an deinem Lehrstuhl gilt, erkennst du an drei Stellen: dem Leitfaden für wissenschaftliches Arbeiten (meist als PDF auf der Fakultätsseite), den Beispielarbeiten aus früheren Semestern (oft in ILIAS, Stud.IP oder Moodle hinterlegt) und dem Lehrstuhl-Wiki. Sind alle drei stumm, schreibst du dem Betreuer kurz vor Schreibbeginn.
Beispiele: Harvard-Zitation
Direktes Zitat: „Das ökonomische Kapital ist die unmittelbarste, am leichtesten konvertierbare Form aller Kapitalsorten" (Bourdieu, 1983, S. 184). Paraphrase: Bourdieu (1983, S. 184) unterscheidet drei Grundformen des Kapitals, von denen das ökonomische die unmittelbarste sei.
Bourdieu, P. (1983). Ökonomisches Kapital, kulturelles Kapital, soziales Kapital. In: R. Kreckel (Hrsg.), Soziale Ungleichheiten (Soziale Welt Sonderband 2, S. 183–198). Göttingen: Schwartz.
Häufige Fehler bei Harvard
Seitenpräfix wechselt im Text
In derselben Arbeit mal „S. 45", mal „Seite 45", manchmal nur „45". Harvard verzeiht keine Stil-Wechsel mitten in der Bibliografie — entscheide dich für eine Variante (gängig: „S.") und zieh sie konsequent durch.
Autoren-Bündel uneinheitlich
Bei zwei Autoren namentlich („Bourdieu & Wacquant, 1992"), ab drei ist „et al." üblich („Bourdieu et al., 1992"). Häufiger Fehler: mal „u. a.", mal „&", mal „et al." im selben Dokument. Eine Schreibweise wählen und durchhalten.
Mehrere Werke pro Autor und Jahr
Wenn du zwei Bourdieu-Texte aus 1983 zitierst, muss jeder im Text und im Literaturverzeichnis als „1983a" und „1983b" markiert sein. Ohne Suffix kann der Prüfer nicht zuordnen, auf welche Quelle sich (Bourdieu 1983, S. 5) bezieht — Plagiatsverdacht möglich.
Welche Fächer nutzen Harvard?
Häufige Fragen zu Harvard
- Wann muss ich die Seitenzahl angeben?
- Bei direkten Zitaten in Anführungszeichen ist die Seitenzahl Pflicht — sie macht das Zitat überprüfbar. Bei Paraphrasen (sinngemäße Wiedergabe) ist die Seitenzahl empfohlen, aber nicht immer zwingend. Viele Lehrstühle verlangen sie trotzdem, weil sie den Prüfern die Verifikation erleichtert. Faustregel: im Zweifel angeben — Seitenzahl zu viel ist kein Fehler, fehlende Seitenzahl beim direkten Zitat schon.
- Wie zitiere ich Werke mit mehreren Autoren?
- Bei zwei Autoren werden beide namentlich genannt: (Bourdieu & Wacquant, 1992). Ab drei Autoren wird in der Regel auf „et al." gekürzt: (Bourdieu et al., 1992). Im Literaturverzeichnis stehen alle Autoren ausgeschrieben — auch wenn der Text-Beleg gekürzt ist. Manche Lehrstühle verlangen bis vier oder fünf Autoren noch die Vollnennung im Text. Welche Grenze gilt, steht im Leitfaden für wissenschaftliches Arbeiten.
- Wie zitiere ich Online-Quellen mit Harvard?
- Online-Quellen brauchen denselben Kurzbeleg im Text wie Bücher (Autor, Jahr) — falls bekannt. Im Literaturverzeichnis kommen URL und Abrufdatum dazu: „Müller, J. (2023). Titel des Beitrags. Verfügbar unter: https://example.com/seite [Abgerufen am 15.05.2026]". Wichtig: Vor Abgabe alle URLs auf Erreichbarkeit prüfen — tote Links sind ein häufiger Korrektur-Hinweis. Bei Quellen ohne Autor wird die Organisation oder der Website-Name verwendet (z. B. „BMBF, 2023").