Ein indirektes Zitat, auch Paraphrase oder sinngemäßes Zitat genannt, gibt einen fremden Gedanken in eigenen Worten und mit eigenem Satzbau wieder. Es steht ohne Anführungszeichen, braucht aber immer einen Beleg, in Hausarbeiten meist mit Seitenzahl. Ob „vgl.“ davorsteht, hängt vom Stil ab: APA verzichtet darauf, die meisten Fußnoten-Leitfäden und viele Harvard-Varianten setzen es. Bleibt dein Text zu nah am Original, werten Hochschulleitfäden das auch mit Beleg als Plagiat.
Indirektes Zitat: sinngemäß zitieren mit Beispielen
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Was ein indirektes Zitat ist
Beim indirekten Zitat übernimmst du den Inhalt einer Quelle, nicht ihre Formulierung. Die Münsteraner Niederlande-Studien beschreiben es als „die Zusammenfassung fremder Gedanken in eigener Formulierung“ (Universität Münster, ZNS). Anführungszeichen setzt du keine, die Herkunft zeigt der Beleg. Und der ist Pflicht: „Auch wenn Sie paraphrasieren, müssen Sie die Quelle angeben!“ (PH FHNW). Indirektes Zitat und Paraphrase meinen dasselbe: „Indirekt zitieren wird auch Paraphrasieren genannt“, schreibt die FernUniversität in Hagen (FernUni Hagen, APA).
Die Regeln auf dieser Seite stammen aus Hochschulleitfäden und von der APA. Einige Leitfäden gelten nur für einen Lehrstuhl oder Studiengang, darunter die hier zitierten der TU München (Landschaftsarchitektur), der Uni Innsbruck (Geschichtswissenschaft), der Münsteraner Germanistik und der Frankfurter Romanistik. Wo sich die Quellen widersprechen, stehen ihre Positionen nebeneinander. Was für deine Arbeit gilt, legt dein Institut fest.
Unterschied zum direkten Zitat und zum Plagiat
Das direkte Zitat übernimmt den Wortlaut in Anführungszeichen, das indirekte den Sinn. Der Sinn darf dabei nach der PH Freiburg „weder verändert noch durch zusätzliche Informationen ergänzt werden“. Vom Plagiat trennen die Paraphrase zwei Dinge: der Beleg und eine echte eigene Formulierung. Fehlt eines davon, kippt sie, wie der Abschnitt Wann eine Paraphrase zum Plagiat wird zeigt.
So paraphrasierst du: vier Arbeitsschritte
Eine Paraphrase entsteht nicht dadurch, dass du im Originalsatz Wörter austauschst. Die Leitfäden setzen beim Verstehen an, am ausführlichsten die Broschüre „Paraphrasieren“ des Schreibzentrums der PH Freiburg (Stand April 2015):
- Form wählen. Bietet die Quelle eine Vielfalt von Einzelinformationen oder diskutiert sie die Positionen mehrerer Autorinnen und Autoren, paraphrasierst du. Steht dort eine tiefgreifende Erkenntnis oder eine unverwechselbare Formulierung, zitierst du wörtlich.
- Den Kern finden. Unterstreiche nur, was du für deinen Zweck brauchst.
- Ohne Vorlage formulieren. „Lege den Originaltext weg“, schreib den Hauptgedanken in eigenen Worten auf und vergleiche den Entwurf danach mit dem Original. Das Ziel: „Die Paraphrase sollte nach dir klingen.“
- Beleg festhalten. Die bibliografischen Angaben der Originalquelle hältst du gleich mit fest.
Die Paraphrase darf dabei „nur Aussagen enthalten, die auch die Originalquelle aufweist“. Das Kompetenzzentrum Schreiben der Uni Köln ergänzt zwei Punkte: Argumente nicht so verkürzen, dass sich ihre Aussage ändert, und fremde Positionen zuerst neutral wiedergeben, „erst dann bewerten“.
Ein Beispiel: Original, zu nah, gelungen
Die Beispiele auf dieser Seite sind ausgedacht: Hellwig, Duval, Kowalczyk und ihre Bücher gibt es nicht. In „Der Laden im Dorf. Nahversorgung auf dem Land“ von Ronja Hellwig (Halle 2022) steht auf Seite 41 ein Satz, den du wiedergeben willst.
Original: „Wo der letzte Laden schließt, verliert ein Dorf nicht nur seine Einkaufsmöglichkeit, sondern auch den Ort, an dem man sich zufällig begegnet.“
Zu nah, nur Wörter getauscht: Wenn der letzte Laden zumacht, büßt ein Dorf nicht bloß die Möglichkeit zum Einkaufen ein, sondern auch den Platz, an dem man sich zufällig trifft (vgl. Hellwig 2022, S. 41).
Zu nah, nur in den Konjunktiv gesetzt: Wo der letzte Laden schließe, verliere ein Dorf nicht nur seine Einkaufsmöglichkeit, sondern auch den Ort, an dem man sich zufällig begegne (vgl. Hellwig 2022, S. 41).
Gelungen: Für Hellwig (2022, S. 41) geht mit dem letzten Geschäft im Ort mehr verloren als die Versorgung: Es fehle danach ein Ort, an dem sich die Bewohner ungeplant über den Weg laufen.
Die ersten beiden Fassungen behalten Satzbau und Gedankenfolge des Originals, und das „vgl.“ ändert daran nichts. Die gelungene Fassung beginnt mit der Autorin, baut den Gedanken neu auf und bleibt trotzdem bei der Aussage: Es geht um den letzten Laden, nicht um alle Geschäfte.
Synonyme allein reichen also nicht. Der APA Style Blog nennt Texte, in denen nur einige Wörter geändert sind und der Inhalt weitgehend gleich bleibt, Patchwriting und wertet sie als Form des Plagiats. Für die Hochschule Darmstadt dienen solche kleinen Änderungen „nur der Verschleierung des Plagiats“.
Indirektes Zitat belegen in APA, Harvard und Fußnoten
Ein indirektes Zitat belegst du mit Autor, Jahr und in Hausarbeiten meist der Seite. Am deutlichsten unterscheiden sich die Stile beim Kürzel „vgl.“ für „vergleiche“.
| Stil | „vgl.“ bei Paraphrasen | So bei |
|---|---|---|
| APA 7 | nein, nur Name und Jahr; auch „ebd.“, „f.“ und „ff.“ verwendet APA nicht | FernUni Hagen, FAQ APA |
| Harvard | ja, „vgl.“ vor Name und Jahr | FernUni Hagen, FAQ Harvard, Uni Münster (Sozialpädagogik) |
| Fußnoten | ja, die Fußnote beginnt mit „Vgl.“ | LMU München, Uni Marburg |
| Fußnoten nach Innsbruck | nein, „Vgl.“ nur in Ausnahmefällen oder wenn wirklich Positionen verglichen werden | Uni Innsbruck |
| je nach Fach | „Bei Paraphrasen kann ggf. auf das ‚vgl.‘ verzichtet werden.“ | Uni Göttingen (Sozialwissenschaften) |
Harvard-Leitfäden, bei denen das Kürzel freiwillig ist, nennt Harvard zitieren. Dass manche Lehrstühle ein „vgl.“ auch in APA-Arbeiten verlangen, steht unter APA zitieren. Wörtliche Zitate bekommen nach Marburg und den Münsteraner Niederlande-Studien kein „vgl.“.
Ein Satz in drei Stilen
| Stil | So steht die Paraphrase im Text | Muster nach |
|---|---|---|
| APA 7 | Mit dem letzten Laden verschwindet in einem Dorf auch ein Treffpunkt für ungeplante Begegnungen (Hellwig, 2022, S. 41). | FernUni Hagen (APA) |
| APA 7, Name im Satz | Hellwig (2022) sieht im letzten Laden eines Dorfes auch einen Treffpunkt für ungeplante Begegnungen (S. 41). | FernUni Hagen (APA) |
| Harvard | Mit dem letzten Laden verschwindet in einem Dorf auch ein Treffpunkt für ungeplante Begegnungen (vgl. Hellwig 2022, S. 41). Je nach Leitfaden auch (vgl. Hellwig 2022: 41). | FernUni Hagen (Harvard), Uni Münster (Sozialpädagogik) |
| Fußnoten | … für ungeplante Begegnungen.¹ In der Fußnote: ¹ Vgl. Ronja Hellwig: Der Laden im Dorf. Nahversorgung auf dem Land, Halle 2022, S. 41. In Innsbruck ohne „Vgl.“. | Uni Marburg, LMU München |
Wo der Punkt steht
Belegst du einen einzelnen Satz in APA oder Harvard, steht die Klammer noch im Satz und der Punkt dahinter. Die PH Freiburg macht daraus eine Regel: Bei einem paraphrasierten Satz kommt die Angabe vor den Punkt, und das gilt dort auch für die Fußnote. Die LMU München setzt die Fußnotenziffer dagegen hinter das Satzzeichen, wenn sie den ganzen Satz belegt. Einzelheiten stehen unter Fußnoten zitieren. Für Paraphrasen über mehrere Sätze gelten eigene Regeln, siehe Indirektes Zitat über mehrere Sätze.
Konjunktiv oder Indikativ
Ob eine Paraphrase im Konjunktiv stehen muss, beantworten die Leitfäden verschieden.
| Position | Leitfaden | Was dort steht |
|---|---|---|
| Konjunktiv empfohlen | PH Freiburg | im Konjunktiv, damit die Information „nicht als Aussage des Autors oder der Autorin missverstanden werden kann“ |
| Konjunktiv als Regel, Indikativ nach dem Namen | Uni Wuppertal | in der Regel Konjunktiv I „(Modus der Rekonstruktion)“ oder II „(Modus der Kritik/ Distanz)“; wird die Paraphrase mit dem Namen eingeleitet, „kann im Indikativ indirekt zitiert werden“ |
| Indikativ üblich, Konjunktiv für Distanz | Uni Göttingen (Sozialwissenschaften) | „In sozialwissenschaftlichen Texten wird überwiegend im Indikativ paraphrasiert.“ |
Göttingen knüpft den Indikativ an eine Bedingung: Redeeinleitende Wendungen und korrekte Belege müssen die Herkunft eindeutig offenlegen. Wuppertal zeigt an einem Beispiel, wie der Modus im Absatz wechselt: Die eigene Analyse steht dort im Indikativ, die anschließende Wiedergabe der Quelle im Konjunktiv I.
Indikativ mit Einleitung: Hellwig (2022, S. 41) zeigt, dass mit dem letzten Laden auch ein Treffpunkt verschwindet.
Konjunktiv I: Mit dem letzten Laden verschwinde, so Hellwig (2022, S. 41), auch ein Treffpunkt.
Konjunktiv II, mit Distanz: Hellwig (2022, S. 41) meint, mit dem letzten Laden ginge auch ein Treffpunkt verloren.
Auf den ausgewerteten APA-Seiten steht zum deutschen Konjunktiv nichts, auch in APA-Arbeiten entscheidet hier dein Leitfaden.
Unabhängig vom Modus gilt: Der Konjunktiv macht aus einer Kopie keine Paraphrase. „Der Einsatz des Konjunktiv genügt nicht!“, warnt die PH Freiburg zu einem Beispiel, in dem die Sätze des Originals bis auf die Verbformen stehen geblieben sind.
Seitenzahl beim indirekten Zitat
Beim direkten Zitat ist die Seitenzahl immer Pflicht, beim indirekten hängt sie vom Bezug und vom Leitfaden ab. Die Grundregeln je Stil zeigt die Tabelle Wann du eine Seitenzahl brauchst. Die Positionen im Einzelnen:
| Position | Leitfaden | Was dort steht |
|---|---|---|
| nicht verlangt, bei langen Werken sinnvoll | APA Style, Paraphrases | Seite oder Absatz sind „not required“, helfen aber, eine Stelle in einem langen Werk wie einem Buch zu finden |
| in Abschlussarbeiten meist Pflicht | FernUni Hagen (APA und Harvard) | „In Qualifikationsarbeiten (z. B. Haus-, Bachelor- und Masterarbeiten) ist die Angabe von Seitenzahlen bei indirekten Zitaten überwiegend obligatorisch.“ |
| immer Pflicht | TU München (Lehrstuhl-Leitfaden) | wörtliche wie sinngemäße Zitate „werden mit der genauen Seitenzahl aus der Originalquelle belegt“ |
| Pflicht laut Muster | PH Kärnten (APA) | ein Muster (Nachname, Jahr, S. XX) für indirekte und direkte Zitate |
| bei allgemeinen Verweisen verzichtbar | Uni Münster (Sozialpädagogik) | „Bei sehr allgemeinen Verweisen kann auf die Angabe der Seitenzahl auch ganz verzichtet werden.“ |
| Werk als Ganzes: Jahr genügt | PH FHNW | beim Bezug auf einen längeren Textteil oder die ganze Publikation „genügt die Angabe der Jahreszahl“ |
Gibst du eine bestimmte Stelle wieder, nennst du die Seite, das verlangen die meisten ausgewerteten Leitfäden. Beziehst du dich auf ein Buch als Ganzes, reicht nach APA, der FHNW und der Münsteraner Sozialpädagogik das Jahr.
Indirektes Zitat über mehrere Sätze
Eine Paraphrase darf über mehrere Sätze laufen, die APA sagt das ausdrücklich. Wo der Beleg dann steht, regeln die Leitfäden unterschiedlich.
| Wo der Beleg steht | Leitfaden | Was dort steht |
|---|---|---|
| am Anfang, danach nicht wiederholen | APA Style, FernUni Hagen (APA) | Beleg beim ersten Nennen; solange klar ist, dass dasselbe Werk weiter wiedergegeben wird, keine Wiederholung, der Name ohne Jahr ist erlaubt |
| am Anfang genügt | PH FHNW | Bei einem längeren Abschnitt „genügt es, wenn man zu Beginn im Lauftext oder auch in einer Fussnote angibt, worauf man sich stützt“. |
| am Ende, hinter dem letzten Punkt | PH Freiburg | Angabe „hinter den letzten Punkt“; den Anfang markieren Absatz oder Name |
| am Ende des Abschnitts in der Fußnote | Uni Marburg, LMU München | Fußnote am Ende des Textabschnitts, bei Bezug auf einen Absatz nach dem letzten Satzzeichen |
Drei Ratschläge passen zu jeder dieser Positionen:
- Grenzen sichtbar machen. Der Leitfaden der Uni Wien verlangt einen Beleg, bei dem klar ist, „wo die Paraphrase beginnt und endet“. Köln will die fremde Meinung bei fortgesetzten Paraphrasen „auch sprachlich“ verdeutlicht sehen. In APA darfst du dafür nach der FernUni Hagen den Namen ohne Jahr wiederholen.
- Neu belegen nach Absatz oder Quellenwechsel. So verlangt es APA, und die FernUni Hagen schreibt: „Ein neuer Absatz muss erneut eine In-Text-Zitation erhalten.“
- Den eigenen Gedanken absetzen. Göttingen setzt den Beleg genau dort, wo die Wiedergabe endet und die eigene Weiterführung beginnt.
Eine mehrsätzige Paraphrase nach APA, mit Beleg am Anfang, wiederholtem Namen und der Seite am Ende:
Nach Hellwig (2022) halten sich Dorfläden vor allem dort, wo die Bewohner Anteile zeichnen und das Geschäft als Genossenschaft führen. Ehrenamtliche übernehmen dann einen Teil der Schichten, im Gegenzug sind die Öffnungszeiten kürzer. Hellwig wertet das nicht als Notlösung, sondern als eigenes Modell der Nahversorgung (S. 58-60).
In Harvard setzt die FernUni Hagen den Beleg in ihrem mehrsätzigen Beispiel ans Ende des letzten Satzes, hier also (vgl. Hellwig 2022, S. 58-60) vor den Schlusspunkt. Nach der PH Freiburg käme die Angabe hinter den letzten Punkt. In Fußnoten folgt die Ziffer nach der LMU München dem letzten Satzzeichen des Absatzes. Belege brauchst du an den Grenzen der Paraphrase, nicht hinter jedem Satz. Wuppertal hält fest, sie sollten „nicht übertrieben werden“.
Ganze Werke zusammenfassen und Sammelbelege
Nicht jede Paraphrase gibt eine einzelne Stelle wieder. Manchmal fasst du die These eines ganzen Buchs zusammen, manchmal stützt sich ein ganzer Abschnitt auf dieselben Werke.
Für den ersten Fall gilt nach der PH FHNW: „Ohne Seitenangaben bezieht sich ein Verweis auf die ganze Quelle.“ Mit Seite verweist du auf eine bestimmte Stelle. Die FernUni Hagen zeigt in ihren Harvard-Beispielen beide Formen nebeneinander, übertragen auf Hellwig:
Ein Dorfladen ist nicht nur ein Geschäft, sondern auch eine soziale Einrichtung (vgl. Hellwig 2022).
Genossenschaftlich geführte Läden kommen mit kürzeren Öffnungszeiten aus (vgl. Hellwig 2022, S. 58-60).
Eine feste Anleitung, wie du ein ganzes Buch in wenigen Sätzen zusammenfasst, gibt keiner der ausgewerteten Leitfäden. Die Regeln der Paraphrase gelten trotzdem: nur, was im Werk steht, in eigenen Worten und mit erkennbarer Urheberschaft.
Übernimmst du aus einem Überblickswerk die Darstellung mehrerer Theorien samt ihren Urhebern, belegst du nach der Münsteraner Sozialpädagogik nur das Überblickswerk, mit „vgl.“, und nur dieses kommt ins Literaturverzeichnis. Wo die Grenze zum Zitat aus zweiter Hand liegt, erklärt der Ratgeber Sekundärzitat. Stützen mehrere Werke eine Aussage, trennst du sie in APA nach der FernUni Hagen mit Semikolon und ordnest sie alphabetisch (APA zitieren).
Für Fußnoten kennt Marburg die Sammelfußnote. Beziehst du dich in einem Abschnitt immer wieder auf dieselben Werke, nennst du sie gleich am Anfang:
³ Zum Folgenden Hellwig: Der Laden im Dorf, S. 58-75; Kowalczyk: Versorgung im ländlichen Raum, S. 12-30.
Marburg schränkt ein: „Spezielle Aussagen und wörtliche Zitate in diesem Abschnitt sind allerdings trotzdem gesondert in eigenen Fußnoten zu belegen.“
Eigene Übersetzung als Paraphrase
Liest du eine Quelle auf Französisch oder Englisch und gibst sie auf Deutsch wieder, übersetzt du selbst. Für den APA Style Blog ist das Ergebnis eine Paraphrase: „your translation is considered a paraphrase, not a direct quotation“. Daraus folgt: keine Anführungszeichen, eine Seitenzahl als Empfehlung, damit Lesende mit Kenntnis der Originalsprache die Stelle finden, und lieber frei übersetzen als wörtlich übertragen. Der Blog spricht von „paraphrased translations“.
Original (Claire Duval 2018, S. 112): „Le magasin du village ne survit que là où les habitants le considèrent comme un bien commun.“
APA, eigene Übersetzung als Paraphrase: Ein Dorfladen hat nach Duval (2018) nur dort Bestand, wo ihn die Bewohner als gemeinsames Gut ansehen (S. 112).
Das betrifft auch englische Quellen. Die Göttinger Schreibberatung zeigt eine Paraphrase aus einem englischen Text, die zugleich Übersetzung ist, ohne Anführungszeichen.
Die Uni Wien und die TU Darmstadt sehen das anders. Sie behandeln eine selbst übersetzte Stelle als wörtliches Zitat, mit Anführungszeichen und einem Vermerk wie „[Übersetzung der Verfasserin]“ (Wien) oder „[Übers. ChM]“ (TU Darmstadt). Englisch nehmen beide davon aus, englische Zitate bleiben dort im Original. Wie wörtliche fremdsprachige Zitate aussehen, zeigt der Ratgeber Direktes Zitat. Fehlt der Beleg, sprechen die Hochschulen Düsseldorf und Darmstadt von einem Übersetzungsplagiat.
Verben des Referierens: neutral, zustimmend, distanzierend
Mit dem Verb, das eine Paraphrase einleitet, zeigst du, wie du zur fremden Position stehst. Die Göttinger Schreibberatung unterscheidet drei Wirkungen und dazu wertende Adverbien. Übertragen auf das Beispiel:
| Wirkung | Beispiel | Muster bei Göttingen |
|---|---|---|
| neutral | Hellwig (2022, S. 41) hält fest, dass mit dem letzten Laden auch ein Treffpunkt verschwindet. | „hält fest“ |
| zustimmend | Hellwig (2022, S. 41) macht deutlich, dass mit dem letzten Laden auch ein Treffpunkt verschwindet. | „macht deutlich“ |
| distanzierend | Hellwig (2022, S. 41) behauptet, mit dem letzten Laden verschwinde auch ein Treffpunkt. | „behauptet/meint“ mit Konjunktiv I oder II |
| wertend über ein Adverb | Wie Hellwig (2022, S. 41) treffend schreibt, verschwindet mit dem letzten Laden auch ein Treffpunkt. | „treffend / irrtümlich“ |
Göttingen setzt das „vgl.“ in diesen Mustern mit in die Klammer hinter dem Namen, etwa „Prexl (vgl. 2015: 86)“. Das ist eine Variante dieses Leitfadens, übernimm sie nur, wenn deiner sie vorsieht.
Das Verb ist selbst eine Aussage über die Quelle. Ein „behauptet“ vor einem Befund, den du teilst, setzt ein falsches Signal. Für längere Wiedergaben schlägt Köln Wendungen vor wie „Abschließend kommt die Autorin zu der Einschätzung, dass …“.
Wann eine Paraphrase zum Plagiat wird
Ein Plagiat beginnt nicht erst beim kopierten Absatz. Die Hochschulleitfäden beschreiben eine Reihe von Grenzfällen, an denen eine Paraphrase kippt.
| Grenzfall | Was passiert | Leitfaden |
|---|---|---|
| Bauernopfer | Unter fast wörtlich übernommenem Text steht nur ein „Vgl.“, als wären es eigene Gedanken, die jemand ähnlich geäußert hat. | Hochschule Darmstadt |
| Patchwriting | einige Wörter geändert, Inhalt weitgehend gleich | APA Style, Plagiarism, APA Style Blog |
| Verschleierung | In der Paraphrase stehen wörtliche Teile ohne Kennzeichnung, oder die Quelle fehlt ganz. | Hochschule Düsseldorf |
| nur Konjunktiv | Die Sätze des Originals bleiben, nur die Verben stehen im Konjunktiv. | PH Freiburg |
| teilweiser Quellennachweis | Die Paraphrase geht in Originaltext über, der nicht gekennzeichnet ist. | PH Freiburg |
| Strukturübernahme | Reihenfolge der Argumente in eigenen Worten übernommen, ohne Quelle | Hochschule Düsseldorf |
| versteckte Quellenangabe | Der Beleg folgt erst später, nicht bei der Paraphrase. | Hochschule Düsseldorf |
| Übersetzung ohne Beleg | Übersetzungsplagiat | Hochschule Düsseldorf, Hochschule Darmstadt |
Den teilweisen Quellennachweis führt die PH Freiburg auf das Überarbeiten zurück: Er entsteht, „wenn der Text mehrfach überarbeitet wurde“, und ein Rest des Originals bleibt ohne Kennzeichnung stehen.
Hellwig (2022, S. 41) sieht im Dorfladen auch einen Treffpunkt. Wo der letzte Laden schließt, verliert ein Dorf nicht nur seine Einkaufsmöglichkeit.
Der erste Satz ist Paraphrase. Der zweite stammt wörtlich aus dem Original, steht aber ohne Anführungszeichen da, und Lesende halten ihn für deinen Gedanken.
Eine allgemeine Wortzahl, ab der eine Übereinstimmung zum Plagiat wird, nennen die ausgewerteten Leitfäden nicht. Ein Leitfaden der Frankfurter Romanistik zieht für seinen Bereich eine Linie: Unmarkierte Übernahmen „aus fünf hintereinander folgenden Worten“ gelten dort als Plagiatsfall. Das ist eine Vorgabe dieses Lehrstuhls, keine allgemeine Regel.
Was aus einem Plagiat folgt, regelt die Prüfungsordnung. Die Hochschule Düsseldorf wertet es nach der Rahmenprüfungsordnung ihres Fachbereichs als Täuschungsversuch, die Prüfung gilt dann als nicht bestanden (5,0). In der Muster-Erklärung der Münsteraner Germanistik nehmen Studierende zur Kenntnis, dass eine nachgewiesene Unterlassung der Herkunftsangabe „als versuchte Täuschung gewertet wird“. Ein kleiner Formfehler im Beleg, der auf ein Versehen zurückgeht, ist nach APA dagegen kein Plagiat. Wie sich Plagiat, Falschzitat und Formfehler unterscheiden, steht unter Richtig zitieren.
Häufige Fehler beim indirekten Zitat
| Fehler | So machst du es richtig | Wer das so regelt |
|---|---|---|
| nur Wörter getauscht, Satzbau des Originals bleibt | Original weglegen, den Kern neu formulieren | APA Style Blog, Hochschule Darmstadt, PH Freiburg |
| Sinn verschoben oder Eigenes ergänzt | Entwurf neben das Original legen und vergleichen | PH Freiburg, PH Kärnten, Uni Wien, Uni Köln |
| unklar, wo die Paraphrase beginnt und endet | Namen nennen, Beleg nach Stil, eigene Gedanken absetzen | Uni Wien, PH Freiburg, Uni Göttingen |
| „vgl.“ unter fast wörtlich übernommenem Text | umformulieren oder als direktes Zitat kennzeichnen | Hochschule Darmstadt |
| Rest eines alten Zitats ohne Anführungszeichen | nach jeder Überarbeitung Zitate und Paraphrasen gegenlesen | PH Freiburg |
| Seitenzahl fehlt, obwohl der Leitfaden sie verlangt | Seite der wiedergegebenen Stelle nennen | FernUni Hagen, TU München |
| Arbeit besteht fast nur aus Paraphrasen | eigene Leistung in Aufbau, Argumentation und Quellenauswahl zeigen | PH Freiburg |
Checkliste vor der Abgabe
- Deine Paraphrasen haben eigenen Satzbau und eigene Wörter, nicht nur andere Verbformen.
- Keine Paraphrase sagt mehr, weniger oder etwas anderes als die Stelle in der Quelle.
- Hinter jeder Paraphrase steht ein Beleg, dort, wo dein Leitfaden ihn haben will.
- Das „vgl.“ folgt deinem Stil: in APA nicht, in Harvard und Fußnoten meist schon, in der ganzen Arbeit gleich.
- Bei einer bestimmten Stelle steht die Seite, beim Werk als Ganzes nach manchen Leitfäden nur das Jahr.
- Bei mehrsätzigen Paraphrasen sind Anfang und Ende erkennbar, nach neuem Absatz oder Quellenwechsel belegst du neu.
- Konjunktiv oder Indikativ folgt deinem Leitfaden, im Indikativ zeigen Name und einleitendes Verb die Herkunft.
- Selbst übersetzte Stellen sind so gekennzeichnet, wie dein Leitfaden es verlangt.
- Nach dem letzten Überarbeiten stehen keine Reste alter Zitate ohne Anführungszeichen mehr im Text.
Was Citely an deinen Belegen prüft
Citely prüft deine Hausarbeit, bevor dein Prüfer sie liest. Die Zitations-Form erkennt deinen Zitierstil und zeigt dir Belege, die davon abweichen, etwa bei Komma, Klammer oder et al., und zitierte Werke, die im Literaturverzeichnis fehlen. Im Pro-Check gleicht Citely deine Zitate mit deinen Quellen-PDFs ab, schlägt die zitierte Seite auf und markiert wörtliche Zitate, die dort nicht oder nur verzerrt stehen. Deinen Bericht hast du nach rund 5 Minuten. Mehr unter Hausarbeit prüfen.
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Häufige Fragen
- Muss ich bei indirekten Zitaten „vgl.“ schreiben?
- Nein, nicht in jedem Zitierstil. In APA 7 besteht der Beleg einer Paraphrase nur aus Name, Jahr und gegebenenfalls Seite, ein „vgl.“ sieht der Stil nicht vor, so erklärt es auch die FernUniversität in Hagen. In deutschen Harvard-Varianten verlangen es viele Leitfäden, etwa als (vgl. Hellwig 2022, S. 41), und in der Fußnoten-Zitierweise steht „Vgl.“ meist am Anfang der Fußnote. Ausnahmen gibt es auch dort: Die Innsbrucker Zitierrichtlinien der Geschichtswissenschaft verzichten bei indirekten Zitaten darauf, die Göttinger Schreibberatung hält den Verzicht je nach Fach für möglich. Maßgeblich ist der Leitfaden deines Instituts. Bei wörtlichen Zitaten entfällt das Kürzel, so etwa die Uni Marburg.
- Brauche ich beim indirekten Zitat eine Seitenzahl?
- Ja, in Hausarbeiten in der Regel schon, sobald du eine bestimmte Stelle wiedergibst. APA Style verlangt bei Paraphrasen zwar keine Seite, hält sie bei langen Werken wie Büchern aber für hilfreich. Für Haus-, Bachelor- und Masterarbeiten nennt die FernUniversität in Hagen die Seitenangabe überwiegend obligatorisch, ein Leitfaden der TU München verlangt sie bei jedem sinngemäßen Zitat. Ohne Seite kommst du nach einigen Leitfäden aus, wenn du dich auf ein Werk als Ganzes beziehst, etwa auf die Grundthese eines Buchs. Dann genügt nach der PH FHNW das Erscheinungsjahr. Auch die Münsteraner Sozialpädagogik lässt die Seite bei sehr allgemeinen Verweisen weg.
- Muss ein indirektes Zitat im Konjunktiv stehen?
- Nein, Pflicht ist der Konjunktiv nicht überall, die Leitfäden sind hier uneins. Die PH Freiburg empfiehlt ihn, damit Lesende die wiedergegebene Information nicht für deine eigene Aussage halten. Die Uni Wuppertal sieht Konjunktiv I oder II als Regel, lässt aber den Indikativ zu, sobald du die Paraphrase mit dem Namen der Autorin oder des Autors einleitest. Laut der Göttinger Schreibberatung paraphrasieren sozialwissenschaftliche Texte überwiegend im Indikativ, vorausgesetzt, Einleitung und Beleg zeigen eindeutig, woher der Gedanke stammt. Klar ist nach der PH Freiburg aber: Wer einen Originalsatz nur in den Konjunktiv setzt, hat noch keine Paraphrase geschrieben.
- Wie lang darf ein indirektes Zitat sein?
- Eine Höchstlänge legt keiner der ausgewerteten Leitfäden fest. Ein indirektes Zitat kann einen einzigen Satz wiedergeben, über mehrere Absätze laufen oder die Kernthese eines ganzen Buchs zusammenfassen. Nach APA belegst du eine längere Paraphrase beim ersten Nennen und wiederholst den Beleg erst, wenn ein neuer Absatz beginnt oder die Quelle wechselt. Die PH Freiburg setzt die Angabe bei mehrsätzigen Paraphrasen dagegen ans Ende, hinter den letzten Punkt. Entscheidend ist, dass Lesende erkennen, wo die Wiedergabe beginnt und wo sie endet, so verlangt es etwa die Universität Wien. Wo deine eigene Weiterführung beginnt, setzt die Göttinger Schreibberatung den Beleg.
- Ist eine Paraphrase mit Quellenangabe immer erlaubt?
- Nein. Ohne Beleg ist eine Paraphrase ein Plagiat, aber ein Beleg allein macht sie noch nicht korrekt. Steht unter einem fast wörtlich übernommenen Absatz nur ein „Vgl.“, spricht die Hochschule Darmstadt von einem Bauernopfer. Der APA Style Blog zählt Patchwriting, bei dem nur wenige Wörter geändert werden und der Inhalt gleich bleibt, zu den Formen des Plagiats. Die PH Freiburg stellt klar, dass auch der bloße Wechsel in den Konjunktiv nicht reicht. Heikel sind außerdem Wendungen aus dem Original, die ohne Anführungszeichen in der Paraphrase stehen bleiben. Sauber ist eine Paraphrase, wenn Wortwahl und Satzbau von dir stammen, der Sinn stimmt und der Beleg die Stelle nennt.
- Wo steht der Punkt beim indirekten Zitat?
- Bei einem einzelnen paraphrasierten Satz in APA oder Harvard hinter der Klammer, also etwa: … Begegnungen (Hellwig, 2022, S. 41). Die Klammer gehört damit noch zum Satz. Läuft die Paraphrase über mehrere Sätze, unterscheiden sich die Leitfäden. Die PH Freiburg stellt die Angabe dann hinter den letzten Punkt. Die FernUniversität in Hagen setzt den Harvard-Beleg in ihrem Beispiel vor den Schlusspunkt des letzten Satzes, und nach APA steht der Beleg schon beim ersten Nennen. Bei Fußnoten setzt die LMU München die Ziffer hinter das Satzzeichen, wenn sie den ganzen Satz oder Absatz belegt. Die PH Freiburg setzt bei einem einzelnen Satz auch die Fußnote vor den Punkt.
Kostenlos und ohne Konto: die ersten 4 Seiten samt Literaturverzeichnis. Alle Befunde siehst du nach kostenloser Anmeldung.
Quellen
- APA Style: Paraphrases (Stand Juli 2022)
- APA Style: Plagiarism (Stand Juli 2022)
- APA Style Blog: How to cite your own translations (2022)
- FernUniversität in Hagen, ZitFit Teil 1: APA 7
- FernUniversität in Hagen, ZitFit Teil 1: FAQ APA 7 (vgl., ebd., f. und ff.)
- FernUniversität in Hagen, ZitFit Teil 2: FAQ Harvard
- Universität Münster, Germanistik (Neuere deutsche Literatur): Leitfaden zur Erstellung einer wissenschaftlichen Arbeit (2024)
- Universität Münster, Sozialpädagogik: Leitfaden zum Zitieren und Belegen von Literatur (WS 23/24)
- Universität Münster, Zentrum für Niederlande-Studien: ZNS Standards Zitierstil und Formatierung
- Universität Marburg, Hessische Landesgeschichte: Handreichung für wissenschaftliches Zitieren und Paraphrasieren
- LMU München, Neueste Geschichte: Leitfaden Zitieren (April 2021)
- TU München, Lehrstuhl Landschaftsarchitektur und Transformation: Kurzleitfaden Zitate (Januar 2024)
- Universität Wuppertal, Allgemeine Erziehungswissenschaft: Hinweise und Tipps für das wissenschaftliche Arbeiten (Stand 07/2023)
- Universität Göttingen, Schreibberatung Sozialwissenschaften: Richtig zitieren und paraphrasieren (2021)
- Universität zu Köln, Kompetenzzentrum Schreiben (Philosophische Fakultät): Merkblatt Gestaltung von Paraphrasen
- PH Freiburg, Schreibzentrum: Paraphrasieren (Broschüre, April 2015)
- Goethe-Universität Frankfurt, Romanistik: Leitfaden zum Verfassen von Hausarbeiten
- TU Darmstadt, Fachgebiet Mehrsprachigkeit: Umgang mit fremdsprachigen Zitaten in einer deutschen wissenschaftlichen Arbeit
- Hochschule Darmstadt: Lerneinheit Umgang mit Quellen
- Hochschule Düsseldorf, FB Sozial- und Kulturwissenschaften: Hinweise zum Umgang mit Plagiaten (Stand August 2021)
- Universität Innsbruck: Zitierrichtlinien historia.scribere 2025 (Stand 23.10.2025)
- Universität Wien, Institut für Judaistik: Zitat, Fußnote und bibliographiebezogenes Zitieren (2020)
- Pädagogische Hochschule Kärnten: Praktische Hinweise zum richtigen Zitieren, APA 7 (August 2025)
- Pädagogische Hochschule FHNW: Handreichung Quellenangaben und Zitate (4. Aufl., 2019)
Weiterlesen
- Direktes ZitatWörtlich zitieren: Anführungszeichen, Auslassungen, [sic], fremdsprachige Zitate und Blockzitat.
- SekundärzitatGedanken aus zweiter Hand: wann „zit. n.“ nötig ist und welches Werk ins Verzeichnis gehört.
- LiteraturverzeichnisWas hineingehört, wie du sortierst und wie Einträge je Quellentyp aussehen.
- Richtig zitierenAPA, Harvard und Fußnoten im Vergleich, mit Seitenzahl-Regeln und Checkliste für deine Belege.